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Immobilienrichtwerte erklärt: Was sie vom Bodenrichtwert unterscheidet

Wer eine Immobilie kaufen möchte, stößt schnell auf zwei Begriffe: Bodenrichtwert und Immobilienrichtwert. Beide klingen ähnlich, messen aber unterschiedliche Dinge. Während der Bodenrichtwert den reinen Bodenwert abbildet, bezieht der Immobilienrichtwert das Gebäude mit ein. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede, die Ermittlung und die praktische Bedeutung für Käufer.

Aktualisiert: Juni 2026

Was ist der Immobilienrichtwert?

Der Immobilienrichtwert (IRW) gibt den durchschnittlichen Marktwert einer bebauten Immobilie in einer bestimmten Lage an. Anders als der Bodenrichtwert, der sich nur auf den unbebauten Boden bezieht, berücksichtigt der IRW die gesamte Immobilie — also Grundstück plus Gebäude.

Der IRW wird in der Regel als Quadratmeterpreis der Wohnfläche angegeben und nach Immobilientypen differenziert: Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser und Reihenhäuser haben jeweils eigene Richtwerte. Das macht den IRW deutlich praxisnäher für Käufer als den reinen Bodenrichtwert.

Bodenrichtwert vs. Immobilienrichtwert: Die Unterschiede

Der zentrale Unterschied: Der Bodenrichtwert (BRW) bewertet den Boden, der Immobilienrichtwert (IRW) die gesamte Immobilie. Der BRW ist ein reiner Bodenwert pro Quadratmeter Grundstücksfläche. Der IRW hingegen ist ein Gesamtwert pro Quadratmeter Wohnfläche — einschließlich des Gebäudewerts.

In der Praxis bedeutet das: Zwei Grundstücke in derselben Bodenrichtwertzone haben denselben BRW — aber ihre Immobilienrichtwerte können stark voneinander abweichen, wenn die Gebäude unterschiedlich alt, groß oder ausgestattet sind.

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Beispiel: Ein sanierter Altbau in Köln-Ehrenfeld und ein unsanierter Altbau im selben Block teilen sich denselben Bodenrichtwert. Ihre Immobilienrichtwerte können sich jedoch um 30–50 Prozent unterscheiden.

Wie werden Immobilienrichtwerte ermittelt?

Auch Immobilienrichtwerte werden von den Gutachterausschüssen ermittelt — auf Basis derselben Kaufpreissammlung wie der Bodenrichtwert. Der entscheidende Unterschied liegt in der Auswertung: Beim IRW wird der Kaufpreis nicht in Boden- und Gebäudeanteil zerlegt, sondern als Ganzes ausgewertet.

Die Gutachterausschüsse filtern die Kaufpreise nach Immobilientyp, Baujahr, Wohnfläche und Lage. Aus den gefilterten Transaktionen wird ein Durchschnittspreis pro Quadratmeter Wohnfläche berechnet — das ist der Immobilienrichtwert für diesen Typ in dieser Lage.

Da der IRW auf tatsächlichen Transaktionen basiert, spiegelt er die reale Marktlage wider. In Gebieten mit wenigen Verkäufen kann die Datenbasis allerdings dünn sein, was die Aussagekraft einschränkt. Die Gutachterausschüsse weisen in ihren Berichten die Anzahl der zugrunde liegenden Transaktionen aus.

Verfügbarkeit von Immobilienrichtwerten

Immobilienrichtwerte werden zunehmend veröffentlicht, auch wenn die Verfügbarkeit regional unterschiedlich ist. Große Städte bieten in der Regel umfassende Daten. In ländlicheren Kreisen kann die Abdeckung lückenhafter sein.

Die Oberen Gutachterausschüsse der Bundesländer veröffentlichen jährlich landesweite Grundstücksmarktberichte. Diese enthalten aggregierte Immobilienrichtwerte für verschiedene Immobilientypen und Regionen und sind eine wertvolle Informationsquelle für Käufer.

Praktische Bedeutung für Käufer

Für Käufer ist der IRW oft aussagekräftiger als der BRW, weil er den Gesamtpreis einer Immobilie direkt vergleichbar macht. Wenn Sie eine Eigentumswohnung in Düsseldorf-Bilk kaufen möchten, sagt Ihnen der IRW, was Käufer für ähnliche Wohnungen in dieser Lage bezahlt haben — ein unmittelbar nutzbarer Vergleichswert.

Allerdings ist auch der IRW ein Durchschnittswert. Ihr konkretes Objekt kann aus guten Gründen über oder unter dem Richtwert liegen: Balkon, Aufzug, Parkplatz, Stockwerk, Ausrichtung und Zustand beeinflussen den Preis erheblich. Der IRW zeigt Ihnen die Bandbreite, nicht den exakten Wert.

Wann nutze ich welchen Wert?

  • Bodenrichtwert: Wenn Sie ein unbebautes Grundstück kaufen oder den reinen Bodenwertanteil einer Immobilie einschätzen möchten. Auch relevant für die Grundsteuer.
  • Immobilienrichtwert: Wenn Sie eine konkrete Wohnung oder ein Haus kaufen möchten und wissen wollen, ob der Kaufpreis im üblichen Rahmen liegt.
  • Beide zusammen: Für eine umfassende Einschätzung. Der BRW zeigt die Lagequalität, der IRW den marktgerechten Gesamtpreis.

Fazit

Bodenrichtwert und Immobilienrichtwert ergänzen sich. Der BRW bewertet die Lage, der IRW die gesamte Immobilie. Beide Werte sind wichtige Orientierungshilfen — kostenlos zugänglich über die Gutachterausschüsse und BORIS-D. Nutzen Sie beide, um den geforderten Kaufpreis einzuordnen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

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