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Radon: Das unsichtbare Gas aus dem Boden und was es für Ihr Zuhause bedeutet

Radon sieht man nicht, man riecht es nicht und man schmeckt es nicht. Trotzdem ist das radioaktive Gas in jedem Haus in Deutschland vorhanden – mal in kaum messbaren Mengen, mal in Konzentrationen, die auf Dauer die Gesundheit gefährden. Wie viel Radon in einem Gebäude ankommt, hängt vor allem vom Untergrund und von der Bauweise ab. Der Lagekenner-Report zeigt deshalb für jede Adresse die Karte „Radon in der Bodenluft“. Hier erfahren Sie, was Radon ist, was hinter den Zahlen auf der Karte steckt, wie Sie selbst messen und was Sie tun können, wenn die Werte hoch sind.

Aktualisiert: Oktober 2026

Was ist Radon?

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas. Es entsteht im Boden und im Gestein, wenn Uran zerfällt, das in kleinen Mengen fast überall in der Erdkruste vorkommt. Aus dem Uran wird über mehrere Zwischenschritte Radium, und aus dem Radium entsteht Radon. Weil Radon ein Gas ist, bleibt es nicht im Gestein, sondern wandert durch Poren, Spalten und Risse im Boden nach oben. Im Freien verdünnt es sich sofort in der Luft. In Gebäuden dagegen kann es sich sammeln.

Ins Haus gelangt Radon vor allem dort, wo das Gebäude den Boden berührt: durch Risse in der Bodenplatte, undichte Fugen, Leitungsdurchführungen für Wasser, Strom und Abwasser oder durch einen Kellerboden aus gestampftem Lehm. Weil die warme Luft im Haus nach oben steigt, entsteht im Keller und im Erdgeschoss ein leichter Unterdruck, der die Bodenluft regelrecht ansaugt. Deshalb sind die Werte im Keller und im Erdgeschoss meist am höchsten und nehmen in den oberen Etagen deutlich ab.

Warum Radon gesundheitlich relevant ist

Das Radon selbst atmet man meist wieder aus. Gefährlich sind seine Zerfallsprodukte, radioaktive Formen von Polonium, Bismut und Blei. Sie lagern sich an Staubteilchen an, gelangen mit der Atemluft in die Lunge und setzen sich dort fest. Ihre Strahlung kann das Gewebe der Bronchien schädigen und auf Dauer Lungenkrebs auslösen.

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Rund 1.900 Todesfälle durch Lungenkrebs pro Jahr gehen hierzulande auf Radon zurück. Das Risiko steigt mit der Konzentration und mit der Zeit, die man in belasteter Luft verbringt – nach Studien um etwa 16 Prozent je 100 Bq/m³ mehr im langjährigen Mittel. Für Raucher ist Radon besonders riskant, weil sich beide Risiken gegenseitig verstärken.

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Gut zu wissen: Radon wird in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) gemessen. Ein Becquerel bedeutet, dass in einem Kubikmeter Luft pro Sekunde ein Atomkern zerfällt. In Wohnräumen in Deutschland liegt der Mittelwert laut BfS bei etwa 65 Bq/m³.

Bodenluft und Raumluft: zwei verschiedene Messgrößen

Wer sich zu Radon informiert, stößt auf zwei Arten von Werten, die sich um ein Vielfaches unterscheiden. Es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten:

  • Radon in der Bodenluft: die Konzentration in der Luft, die in den Poren des Bodens steckt, gemessen in etwa einem Meter Tiefe. Hier liegen die Werte typischerweise bei Tausenden bis über Hunderttausend Bq/m³ und werden deshalb meist in Kilobecquerel (kBq/m³) angegeben. Die Bodenluft zeigt, wie viel Radon der Untergrund liefern kann. Sie sagt etwas über die Lage aus, aber nicht direkt über die Luft, die Sie im Haus atmen.
  • Radon in der Raumluft: die Konzentration in Wohn- und Aufenthaltsräumen, gemessen in Bq/m³. Sie ist das, was gesundheitlich zählt. Wie viel vom Radon aus dem Boden im Raum ankommt, entscheidet das Gebäude: Bodenplatte, Abdichtung, Keller, Lüftung und Wohnetage.

Zwei Häuser auf demselben Untergrund können deshalb sehr unterschiedliche Werte in der Raumluft haben. Ein Neubau mit dichter Bodenplatte lässt kaum Radon durch, ein Altbau mit Naturkeller dagegen viel. Umgekehrt kann ein schlecht abgedichtetes Haus auch in einer Gegend mit wenig Radon in der Bodenluft auffällige Werte haben.

Der Referenzwert von 300 Bq/m³

Seit Ende 2018 gilt in Deutschland nach dem Strahlenschutzgesetz ein Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze in Innenräumen. Ein Referenzwert ist kein Grenzwert: Wird er überschritten, droht kein Bußgeld, und Eigentümer selbst genutzter Häuser sind nicht verpflichtet zu messen. Er markiert aber die Schwelle, ab der Maßnahmen zur Senkung dringend empfohlen werden.

Unterhalb von 300 Bq/m³ ist Radon nicht automatisch unbedenklich. Das Lungenkrebsrisiko steigt ohne erkennbare Schwelle mit jeder Erhöhung der Konzentration. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb, möglichst unter 100 Bq/m³ zu bleiben. Das BfS rät, auch Werte unterhalb des Referenzwerts zu senken, wenn das mit vertretbarem Aufwand möglich ist.

Radon-Vorsorgegebiete

Die Bundesländer haben bis Ende 2020 sogenannte Radon-Vorsorgegebiete festgelegt. Das sind Gebiete, in denen erwartet wird, dass der Referenzwert in einer erheblichen Zahl von Gebäuden überschritten wird. Grundlage sind Messungen und Prognosen des BfS zum Radon in der Bodenluft und zur Durchlässigkeit des Bodens. Festgelegt wurden die Gebiete meist auf Ebene von Gemeinden oder Landkreisen.

Typisch sind Regionen mit Granit und anderen uranhaltigen Gesteinen, etwa im Erzgebirge, im Fichtelgebirge, im Bayerischen Wald und im Schwarzwald. In weiten Teilen Norddeutschlands und in den meisten Großstädten gibt es dagegen keine Vorsorgegebiete. In einem Vorsorgegebiet gelten zusätzliche Pflichten: Arbeitgeber müssen an Arbeitsplätzen im Keller und im Erdgeschoss Radon messen, und bei Neubauten sind zusätzliche Schutzmaßnahmen vorgeschrieben. Für Bewohner eines bestehenden Hauses gibt es dagegen keine Messpflicht.

So lesen Sie die Karte „Radon in der Bodenluft“

Die Karte steht im Report im Abschnitt „Naturgefahren & Umweltrisiken“. Ihre Daten stammen aus dem Messnetz des BfS. Der Titel verweist auf die Herkunft des Gases aus dem Boden. Die Zahl auf der Karte ist aber ein Wert für die Raumluft:

  • Mittlere Konzentration in Wohnräumen: etwa „Ø 85 Bq/m³ in Wohnräumen“. Das ist der Mittelwert der Radon-Aktivitätskonzentration in Wohnräumen der Gemeinde, also kein Messwert für Ihr Haus, sondern ein Durchschnitt über viele Gebäude.
  • Radon-Vorsorgegebiet: Ob die Adresse in einem Vorsorgegebiet liegt, zeigt die Karte derzeit nicht. Das BfS stellt die Gebiete nicht mehr bundesweit bereit. Welche Gemeinden dazugehören, veröffentlicht die zuständige Landesbehörde.

Aus dem Mittelwert bildet Lagekenner eine Einstufung, die als farbiges Etikett auf der Karte steht. Die Schwellen sind bewusst deutlich strenger als der Referenzwert von 300 Bq/m³, weil es sich um einen Durchschnitt handelt und einzelne Häuser weit darüber liegen können:

  • Geringes Risiko (grün): Mittelwert bis 50 Bq/m³. Die Gemeinde liegt unter dem Bundesdurchschnitt.
  • Erhöhtes Risiko (gelb): Mittelwert über 50 bis 100 Bq/m³. Im Durchschnitt unauffällig, einzelne Häuser können aber höher liegen.
  • Hohes Risiko (rot): Mittelwert über 100 Bq/m³. Eine eigene Messung ist hier besonders sinnvoll.

Ein Beispiel: Die Karte zeigt „Ø 85 Bq/m³ in Wohnräumen“. Dann steht dort „Erhöhtes Risiko“. Das heißt nicht, dass das Haus belastet ist – der Durchschnitt liegt weit unter dem Referenzwert. Es heißt, dass Radon in dieser Gemeinde ein Thema ist, das Sie bei Altbauten mit Keller im Blick behalten sollten. Steht auf der Karte „Keine Radon-Daten für diesen Standort verfügbar“, liefert das BfS für die Adresse keine Werte. Das sagt nichts darüber aus, ob Radon vorkommt.

Den Mittelwert der Gemeinde und die Einstufung sehen Sie im Report. Radon fließt übrigens nicht in den Lage-Score ein, sondern steht als eigene Karte im Report. Wie der Score entsteht, erklärt unser Ratgeber Lage-Score verstehen.

Radon selbst messen

Ob ein bestimmtes Haus betroffen ist, verrät nur eine Messung. Sie ist einfach und günstig. Am verbreitetsten sind passive Messgeräte, sogenannte Exposimeter oder Kernspurdetektoren. Das sind kleine Dosen ohne Strom und ohne bewegliche Teile, die Sie in einem Raum aufstellen. Nach der Messzeit schicken Sie sie an ein Labor zurück, das die Werte auswertet. Ein Exposimeter kostet einschließlich Auswertung meist zwischen 30 und 50 Euro. Das BfS führt eine Liste anerkannter Stellen, die solche Messungen anbieten.

  1. Räume wählen: Stellen Sie mindestens zwei Exposimeter in Räumen auf, in denen Sie sich viel aufhalten, etwa im Wohn- und im Schlafzimmer – bevorzugt im untersten bewohnten Geschoss.
  2. Richtig aufstellen: Die Geräte gehören nicht direkt ans Fenster, nicht an die Heizung und nicht in den Luftzug, sondern frei in den Raum, zum Beispiel auf ein Regal.
  3. Lange genug messen: Radon schwankt stark mit Wetter, Jahreszeit und Lüftung. Im Winter sind die Werte meist höher. Das BfS empfiehlt deshalb eine Messung über zwölf Monate. Mindestens sollte die Heizperiode abgedeckt sein.
  4. Ergebnis einordnen: Liegt der Jahresmittelwert über 300 Bq/m³, sollten Sie handeln. Auch bei Werten über 100 Bq/m³ lohnen sich einfache Maßnahmen.

Daneben gibt es elektronische Radon-Messgeräte, die laufend einen aktuellen Wert anzeigen. Sie eignen sich gut, um Schwachstellen im Haus zu finden oder die Wirkung von Maßnahmen zu prüfen. Für ein verlässliches Jahresmittel sind sie aber nur geeignet, wenn sie ebenfalls lange genug laufen.

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Tipp vor dem Kauf: Eine Jahresmessung passt selten in den Zeitplan eines Hauskaufs. Fragen Sie den Verkäufer, ob schon einmal gemessen wurde. Liegt das Haus in einem Vorsorgegebiet und gibt es keine Messung, planen Sie die Kosten für eine Messung und mögliche Maßnahmen in Ihr Budget ein.

Was hilft gegen Radon im Haus?

Die gute Nachricht: Hohe Radonwerte lassen sich in fast jedem Gebäude senken. Welche Maßnahme passt, hängt davon ab, wie hoch die Werte sind und wie das Radon ins Haus kommt. Meist lohnt es sich, mit einfachen Schritten anzufangen und danach erneut zu messen:

  • Regelmäßig lüften: Mehrmals täglich Stoßlüften senkt die Konzentration schnell, wirkt aber nur, solange gelüftet wird. Es ist eine gute Sofortmaßnahme, aber keine dauerhafte Lösung.
  • Eintrittswege abdichten: Risse in Bodenplatte und Kellerwänden, Fugen und Leitungsdurchführungen lassen sich mit geeigneten Dichtstoffen verschließen. Das ist oft günstig und bringt schon spürbar etwas.
  • Keller vom Wohnbereich trennen: Eine dicht schließende Kellertür und abgedichtete Schächte verhindern, dass Radon aus dem Keller in die Wohnräume zieht.
  • Radon absaugen: Ein kleiner Ventilator saugt die Luft unter der Bodenplatte oder aus einem sogenannten Radonbrunnen neben dem Haus ab und leitet sie ins Freie. Durch den Unterdruck gelangt kaum noch Radon ins Gebäude. Diese Maßnahme ist sehr wirksam, kostet aber meist einige Tausend Euro.
  • Lüftungsanlage: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung tauscht die Luft laufend aus und kann einen leichten Überdruck im Haus erzeugen, der das Ansaugen von Bodenluft verringert.

Bei Neubauten ist Radonschutz deutlich einfacher als bei bestehenden Häusern. Eine durchgehende Bodenplatte aus Beton und eine Abdichtung gegen Bodenfeuchte nach dem Stand der Technik halten bereits viel Radon zurück. In Vorsorgegebieten kommen weitere Maßnahmen hinzu, etwa eine radondichte Folie unter der Bodenplatte oder eine vorbereitete Absaugung. Bei größeren Sanierungen lohnt es sich, Radonschutz gleich mitzuplanen. Lassen Sie sich bei hohen Werten von einer Fachperson beraten – viele Bundesländer bieten dazu eigene Beratungsstellen an.

Radon ist nicht das einzige Risiko, das vom Boden ausgeht. Wie Sie Gefahren durch Starkregen und eindringendes Wasser einschätzen, lesen Sie im Ratgeber Starkregen und Immobilien. Weitere Punkte für die Besichtigung finden Sie in unserer Checkliste Immobilie prüfen.

Häufige Fragen zu Radon

Betrifft Radon auch Wohnungen in den oberen Etagen?

Kaum. Radon kommt aus dem Boden, deshalb sind vor allem Keller, Souterrain und Erdgeschoss betroffen. In einer Wohnung im dritten Stock sind die Werte in der Regel niedrig, selbst wenn das Haus in einem Vorsorgegebiet liegt. Ausnahmen gibt es, wenn Radon über Schächte oder Treppenhäuser nach oben zieht.

Sollte ich in einem Radon-Vorsorgegebiet lieber nicht kaufen?

Nein, ein Vorsorgegebiet ist kein Grund, auf ein Haus zu verzichten. Es heißt nur, dass erhöhte Werte dort häufiger vorkommen. Viele Häuser in Vorsorgegebieten liegen unter dem Referenzwert, und wo nicht, lassen sich die Werte senken. Wichtig ist, dass Sie Bescheid wissen, messen und die Kosten für mögliche Maßnahmen einplanen.

Mein Ort ist kein Radon-Vorsorgegebiet. Muss ich mich dann um nichts kümmern?

Meist ist das Risiko dann gering. Ganz ausschließen lässt sich eine erhöhte Belastung aber nicht, weil sie stark vom einzelnen Gebäude abhängt. Wer in einem Altbau mit Naturkeller wohnt oder sich viel im Erdgeschoss aufhält, kann mit einer günstigen Messung auf Nummer sicher gehen.

Fazit

Radon ist ein natürliches Gas aus dem Boden, das sich in Häusern sammeln und auf Dauer Lungenkrebs verursachen kann. Die Karte „Radon in der Bodenluft“ zeigt, wie hoch die Werte in Wohnräumen der Gemeinde im Durchschnitt sind und ob die Adresse in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt. Die Daten stammen vom Bundesamt für Strahlenschutz. Ob ein bestimmtes Haus betroffen ist, klärt nur eine Messung mit Exposimetern. Liegen die Werte hoch, helfen Lüften, Abdichten und bauliche Maßnahmen zuverlässig.

Am Beispiel echter Orte

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